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18.06.2021 Moderator und Notfallsanitäter Tobias Schlegl im Interview über seinen Einsatz auf der SEA-EYE 4

Radio- und Fernsehmoderator, Reporter, Autor und Musiker – Tobias Schlegl hat in der Medienwelt eine beeindruckende Karriere hingelegt. Trotzdem hat er sich 2016 dazu entschieden eine Ausbildung zum Notfallsanitäter zu machen und sich weitgehend aus dem Fernsehen zurückzuziehen. Heute arbeitet Tobias Schlegl sowohl im Rettungsdienst als auch in den Medien und hat u.a. einen eigenen Podcast – „2Retter1Mikro“. Im Mai 2021 ist Tobias Schlegl als Notfallsanitäter bei der ersten Mission der SEA-EYE 4 dabei gewesen. Mit uns spricht er über seinen ungewöhnlichen Weg und seine Zeit an Bord der SEA-EYE 4. 
 
 
Vom VIVA-Moderator zum Notfallsanitäter und Seenotretter – das ist ein sehr außergewöhnlicher und beeindruckender Weg. Wie kam es dazu? 
 
Eine Konstante gibt es da in meinem Leben. Ich war schon immer ein politischer Mensch. In der Schule habe ich als Schülersprecher Festivals gegen Rechts organisiert und eine alternative Schülerzeitung selbst geschrieben und herausgegeben. Diese politische Seite lebe ich inzwischen immer stärker aus. Ich habe keine Lust mehr auf Kompromisse.
 
Warum hast du dich dazu entschieden die zivile Seenotrettung zu unterstützen und an Bord der SEA-EYE 4 mitzufahren? 
 
Das Sterben im Mittelmeer hat mich schon immer berührt. Ich wollte nicht mehr länger wegsehen. Ich wollte helfen. Nicht nur als Beobachter, also als Journalist, sondern ich wollte mitanpacken. Mit meiner dreijährigen Ausbildung zum Notfallsanitäter hatte ich dann endlich das Zeug dazu. In dieser Funktion wurde ich an Bord gebraucht. Auch beruflich war es spannend, den RTW gegen ein Schiff einzutauschen und dort mit so vielen Patientinnen und Patienten auf einmal konfrontiert zu sein.
 
Was hat dich am meisten beeindruckt und berührt während deines Einsatzes auf der SEA-EYE 4? 
 
Es gab so vieles, das mich extrem berührt hat. Ich bin ja gerade erst wieder zurück und muss mich erst einmal sammeln. Das waren sehr viele heftige Eindrücke. Ich gebe derzeit auch keine weiteren Interviews mehr. Ich will das erst mal für mich verarbeiten. Das braucht Zeit. Klar ist aber, es war sehr intensiv. Auf jeden Fall habe ich niemals damit gerechnet, dass wir 150 Kinder retten werden.
 
Die zivile Seenotrettung ist häufig massiven Anfeindungen aus der Gesellschaft ausgesetzt. Auch du hast auf deinen Social-Media-Kanälen neben sehr viel Zuspruch auch viel Gegenwind bekommen. Wie gehst du damit um? 
 
Unabhängig von jeglichen Migrationsfragen geht es mir persönlich um einen Grundsatz: Wenn jemand zu ertrinken droht, muss man ihn retten. Ganz einfach. Das ist der kleinste gemeinsamste Nenner. Das definiert uns als Menschen. So viel Empathie sollte jeder haben. Und das ist sowieso das berufliche Ethos im Rettungsdienst: Menschen in einer konkreten Notsituation muss geholfen werden. Egal, woher sie kommen. Wer das nicht versteht, mit dem diskutiere ich auch gar nicht erst und der wird bei Twitter von mir geblockt.
 
Was wünschst du dir für die Zukunft für die Seenotrettung? 
 
Dass die NGO-Schiffe nicht mehr festgehalten werden, sondern ihre Arbeit tun können. Solange es keine professionelle europäische Seenotrettung gibt, muss wenigstens das gewährleistet sein. Gemeinsam mit Sea-Eye habe ich eine Petition gestartet. Ich hoffe, dass sich viele beteiligen. Solange keine politische Lösung gefunden wurde, müssen die Rettungsschiffe raus und Leben retten. Ganz dringend. Alles andere verstößt gegen die Menschenrechte.
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