Open Menu Close Menu
Back Zurück

03.04.2020 Seenotrettung in Zeiten von Corona

Gorden ist Vorsitzender der Seenotrettungsorganisation Sea-Eye. Der 2015 gegründete Verein hat nach eigenen Angaben mehr als 12.000 Menschen aus Seenot gerettet. Die ALAN KURDI von Sea-Eye e.V. ist auf dem Weg in die libysche Such- und Rettungszone. Kurz vor der Ausfahrt des Schiffes hatten wir die Chance, Gorden einige Fragen zu stellen:

Lieber Gorden, wo befindet sich aktuell euer Rettungsschiff?
Die "Alan Kurdi" ist nach mehreren Wochen in der Werft noch immer im Hafen von Burriana. Übrigens liegt sie dort in bester Gesellschaft: Unmittelbar neben uns befindet sich die "Sea-Watch 4", also euer Bündnisschiff, sowie die "Open Arms“, das Rettungsschiff einer spanischen Organisation.

Was bedeutet die aktuelle Corona-Krise für eure Einsätze?
Der Virus stellt uns gerade vor zwei große Herausforderungen. Einerseits ganz konkret an Bord, im Schiffsbetrieb. Wir haben neue Vorsichts- und Hygienemaßnahmen eingeführt, um alle auf dem Schiff besser vor dem Corona-Virus zu schützen. Andererseits haben wir das Problem, dass angesichts der Pandemie das Thema Seenotrettung komplett aus den Medien und damit der öffentlichen Aufmerksamkeit verschwunden sind. Die Menschen sind jetzt mit diesem neuen Alltag, ihren Sorgen um Familie und Freunde, wirtschaftlichen Problemen oder beruflichen Veränderungen beschäftigt. Das ist mehr als verständlich, doch als Organisation sind wir ja auf Spenden angewiesen. Die Pandemie reißt da jetzt eine echte Lücke.

Hat die erklärte Schließung der Europäischen Außengrenzen aufgrund von Corona aus eurer Sicht Auswirkungen für die zivile Seenotrettung?
Nein, zumindest keine rechtlichen Auswirkungen. Schließlich handelt es sich bei der Seenotrettung nicht um einen gewöhnlichen Grenzübertritt. Die Menschen sind in einer lebensbedrohlichen Situation in internationalen Gewässer. Sollten wir Menschen vor dem Ertrinken retten, dann greifen die gleichen Gesetze und Verpflichtungen, wie vor der Corona-Krise. Es wird politisch sicherlich etwas schwieriger. Aber hier setzen wir auf die Unterstützung der Bundesregierung und das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit innerhalb der Europäischen Union.

Lieber Gorden, danke für Euren starken Einsatz!