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24.08.2020 Sea-Watch 4 und Etienne brauchen jetzt einen sicheren Hafen

Sicherer Hafen für die #Etienne!

Vor 22 Tagen waren 27 Menschen im maltesischen Verantwortungsbereich in Seenot geraten und warten seitdem auf einen sicheren Hafen. Maltesische Behörden koordinierten die Rettung. Die #Etienne, ein Öltanker, führte die Rettung durch. Seitdem weigert sich Malta, dem Schiff einen sicheren Hafen zuzuweisen.
Auch die 201 Geretteten an Bord der Sea-Watch 4 warten weiterhin auf Zuweisung eines sicheren Hafens.

Die EU muss endlich ihre Verantwortung annehmen und einen planbaren, verlässlichen Mechanismus für die Ausschiffung ermöglichen.
Die Verantwortung für die unmenschliche Situation an Europas Grenzen obliegt nicht nur den Mittelmeer-Anrainerstaaten. Es ist die Verantwortung der EU, die Wahrung von See- und Grundrechten sicherzustellen und solidarisch zu handeln. Dazu gehört neben der Zuweisung eines sicheren Hafens auch die Verteilung geretteter Menschen innerhalb der EU. Diese Verteilung muss an Land stattfinden und darf nicht auf dem Rücken Geretteter ausgetragen werden, denen dann tage- und wochenlang eine Anlandung verwehrt wird. Deutschland trägt dabei eine besondere Verantwortung, u.a. haben sich über 170 Städte im Rahmen der Seebrücke-Bewegung zu sicheren Häfen erklärt, die Gerettete Menschen aufnehmen wollen. Es ist an der Politik, der Solidarität der Städte und Kommunen nicht im Weg zu stehen und diese Aufnahme zu ermöglichen.


Stimmen von Bord zur Lage auf dem Mittelmeer


“Männer, Frauen und Kinder werden stunden- oder sogar tagelang ohne Hilfe ausgesetzt, wenn sie überhaupt gerettet werden. Unser medizinisches Team hat bisher 150 Konsultationen an Deck und in der Klinik an Bord der Sea-Watch 4 durchgeführt. Neben Seekrankheit und Dehydrierung haben wir Patienten behandelt, die kürzlich Verletzungen erlitten haben, die im Zusammenhang mit Berichten über Misshandlungen und Folter in Libyen stehen, sowie Traumata und Verbrennungen, die sie beim Versuch, das Mittelmeer zu überqueren, erlitten haben. Und dies sind nur die physischen Wunden; die Wunden, die wir sehen können. Menschen, die auf See gerettet werden in einem langen Schwebezustand zu halten, stellt eine unsägliche psychische Belastung für die ohnehin schon schutzbedürftigen Menschen dar. Es ist unnötig und unmenschlich. Sie haben genug gelitten".
– Barbara Deck, medizinische Projektkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen

“Nach jedem Einsatz stellt sich für die zivilen Seenotretter erneut die Frage, was aus den Geretteten werden soll. Die Rettungsschiffe warten teilweise wochenlang auf einen sicheren Hafen. Fakt ist: Nach dem internationalen Seerecht und der UN-Menschenrechtskonvention ist Libyen nach wie vor kein sicherer Hafen. Wir bringen Menschen nicht dorthin wo ihnen Folter, Vergewaltigung und Tod drohen. Die EU muss endlich ihre Verantwortung annehmen und einen planbaren, verlässlichen Mechanismus für die Ausschiffung ermöglichen. Dabei muss die Rettung von Menschenleben oberste Priorität haben!” 
– Michael Schwickart, Vorstand von United4Rescue

"Malta hat im letzten halben Jahr mehrmals völlig schamlos bewiesen, dass es bereit ist alle Menschlichkeit über Bord gehen zu lassen, um zu verhindern, dass Flüchtende und Migrierende ihre Häfen erreichen. Von Geisterschiffen, die Menschen in offenem Bruch des Völkerrechts zurück nach Libyen deportieren, über Offshore-Flüchtlingsknäste auf hoher See bis hin zu Stand-Offs wie diesem der Etienne. Obwohl die 27 Menschen im maltesischen Verantwortungsbereich in Seenot gerieten und die Etienne unter der Koordination Maltas gerettet hat, lässt man sie nun mittlerweile 22 Tage auf See versauern. Auch uns auf der Sea-Watch 4 hat die maltesische Rettungsleitstelle bereits mehrmals überdeutlich gemacht, dass sie uns keinen sicheren Hafen bieten werden und uns untersagt, uns ihren Hoheitsgewässern zu nähern. Diese Insel ist bei weitem nicht nur geographisch der Vorposten Europas, sondern auch der einer rassistischen, europäischen Abschottungspolitik. Die geretteten Menschen auf der Etienne und der Sea-Watch 4 haben das Recht auf einen sicheren Hafen, und sie brauchen ihn jetzt!"
– Philipp Hahn, Einsatzleiter an Bord der Sea-Watch 4



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