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12.10.2020 Interview mit Pfarrerin Antje Pech

"Es darf uns nicht gleichgültig sein, dass Menschen aus ihren Herkunftsländern fliehen müssen und im Meer ertrinken." 

 
 
Wie war der Weg von der Idee, als Kirchenbezirk das Bündnis zu unterstützen, bis zum Beitritt?
Die Mitglieder des Kirchenbezirksvorstandes haben sofort zugestimmt, als wir das Bündnis vorgestellt haben. Wir spenden selbst, der Haushalt des Kirchenbezirkes bleibt außen vor. Das ist uns wichtig, damit wir uns in der Verantwortungsübernahme nicht zurücklehnen können. 
 
Wo gab es Hindernisse und Kontroversen, was fand schnell Zustimmung?
Natürlich haben wir auch über die Fragen nach Unterstützung von Schlepperorganisationen und konkreten Hilfsmöglichkeiten in den Herkunftsländern der Geflüchteten gesprochen. Aber es war von Anfang an klar: Wir werden Bündnispartner. 
Ich habe nach der Veröffentlichung der Bündnispartnerschaft schon mit ablehnenden Rückmeldungen aus Kirchgemeinden und von Bürger*innen gerechnet. In der Oberlausitz hatten wir eine hohe AfD-Wahlquote bei der Europa- und Landtagswahl im letzten Jahr, momentan gibt es die Proteste gegen die Corona-Schutzmaßnahmen entlang der B96. Insofern überwiegen gerade die abgrenzenden Haltungen. Die Notwendigkeit ziviler Seenotrettung und dass jede*r so gut helfen muss, wie sie/er kann, ist aber einsichtig und findet Zustimmung. 
 
Was wird jetzt diskutiert, nachdem die erste Rettungsaktion erfolgreich zu Ende gegangen ist und 353 Menschen gerettet werden konnten?
Wir haben uns riesig gefreut, dass so viele Menschen an Bord kommen konnten und gerettet waren. 
Schon die Bibel erzählt von „Seenotrettung“: Noah, Jona, Petrus. Auch im übertragenen Sinn ist Schutz vor Wellen und Sturm ein Anliegen unseres Glaubens. Rettung ist überhaupt die zentrale Glaubensaussage von Kirche. 
Mir ist es jetzt ein Anliegen, dass Kirchgemeinden in der Oberlausitz auch Bündnispartner werden und sich nicht darauf berufen, dass der Kirchenbezirk bereits als solcher Partner ist. Engagement soll nicht stellvertretend wahrgenommen und damit delegiert werden.
 
Wie schätzt der östlichste Kirchenbezirk der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens die aktuelle Diskussion um Seenotrettung innerhalb der Landeskirche ein?
Seit längerer Zeit findet in unserer Landeskirche ein Wertediskurs statt. Was gilt für Christinnen und Christen? Ich erwarte, dass sächsische Gemeindemitglieder nicht nur Jahr für Jahr für den Schutz ungeborenen Lebens demonstrieren, sondern auch für den Schutz der Lebenden. Es darf uns nicht gleichgültig sein, dass Menschen aus ihren Herkunftsländern fliehen müssen und im Meer ertrinken. Ich wünsche mir deshalb, dass die Sächsische Landeskirche als Organisation dem Bündnis beitritt. 
 
Danke, liebe Frau Pech, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben. Und Danke für die Solidarität aus dem Kirchenbezirk Löbau-Zittau!




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